Donnerstag, 24. Juli 2014

[Off-Topic] Gedanken in Gedenken

Eigentlich ist dies ein reiner Bücherblog, aber es gibt ein Thema, das ich persönlich nicht aussparen kann.

Ursprünglich komme ich aus Duisburg. Und tief in meinem Herzen bin ich immer noch Duisburgerin. 2010 geschah eine von Menschen herbeigeführte Katastrophe, die mich nachhaltig geprägt hat.

Alles freute sich auf die Loveparade und sogar ich hatte mir überlegt zumindest zum Abschluss-Gig von David Guetta zu gehen. Doch dazu kam es nie. Noch heute danke ich allen möglichen Göttern und Gottheiten, dass meinem Vater und meiner Schwester, die im letzten Moment das Gelände verlassen konnten (sie hatten gesehen das die Situation auf der Rampe immer schlimmer wurde), nichts passiert ist. Ich bin so froh, dass keinem meiner Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen nichts zugestoßen ist!
Gerade in diesen Tagen habe ich die ganzen Sirenen, die nur wenige Meter von unserer Wohnung entlang gedüst sind, im Ohr. Fast die halbe Nacht. Die ganzen Hubschrauber, die über uns hinweg geflogen sind. Meine Mutter ist sogar eher in die Klinik zur Arbeit gefahren.

Ich mochte noch nie große Menschenmassen, aber seit dieser Katastrophe meide ich sie noch mehr. Vor knapp einem 3/4 Jahr, habe ich am eigenen Leib erfahren, wie es ungefähr für die Menschen auf der Rampe gewesen sein muss. Der Hauptbahnhof wurde abgesperrt und von hinten kamen immer mehr Menschen dazu. Es war gerade Freimarkt. Ein großes Volksfest in Bremen. Man wurde in wellenartigen Bewegungen durch die Menge geschoben und eingeklemmt. Es war schwer sich aufrecht zu halten und nicht zu stolpern. Ich hatte eine verdammte scheiß Angst. Und da bekam ich eine ungefähre Vorstellung davon was die Opfer der Loveparade durchgemacht haben. Doch nicht nur mir kam dieser Gedanken. Von weiter hinten hörte ich nämlich: "Das ist ja hier wie bei der Loveparade."

Das Verhalten der Stadt Duisburg nach der Katastrophe war scheußlich. Leugnen, leugnen, leugnen. Verstecken, verstecken, verstecken. Der damalige OB wurde rotzfrech von seiner rechten Hand verteidigt. Die Schuld wird auf die kleinen Lichter geschoben. Klar, die kleinen Lichter haben es "durchgewunken", aber der Druck dazu kam von ganz oben. Schaller und Sauerland sind ebenso Schuld wie die kleinen Lichter. Ich bin froh, dass Sauerland durch die Bürger für sein Verhalten nach der Katastrophe abgewählt worden ist.

Es tut mir leid, wenn das hier ein wenig wirr ist, aber das Thema tut mir immer noch weh. Die Erleichterung, dass meiner Familie nichts passiert ist. Die Wut über diese Missplannung. Der Zorn über das Verhalten nach der Katastrophe. Die Scham, das so viele Menschen wegen Profitgier der Stadt starben, verletzt und/oder traumatisiert wurden. Die Freude, das so viele Bürger dem ehemaligen OB durch die Abwahl eine deutliche Quittung gegeben haben.

Jetzt habt ihr es geschafft. Nun folgen nur noch ein paar Bilder von der Gedenkstätte, die sich an besagter Rampe befindet.

R.I.P.




1 Kommentare:

literameer hat gesagt…

Ein sehr interessanter und nachdenklich machender Text!

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